Mit der Bahn nach Amsterdam
Bahnhof Anna Paulowna
76371 zeigt der Kilometerzähler und die Uhrzeit und der Thermometer zwei Zeilen drüber 12:26 und 28,0°C. Wir fahren Richtung Bahnhof. Gut, das wir gestern Abend noch alles abgecheckt haben, so sind wir schon zwölf Minuten später da. Wir bekommen einen kostenlosen Parkplatz beim Park & Ride und stehen zwei Minuten später vor dem gelben Automaten. Hier kann man – auch für Ausländer ganz leicht verständlich! – „Dagretour-Karten nach Amsterdam lösen und – wie bei uns – mit der Sparkassenkarte zahlen. Das ging alles so rasend schnell: Zoo verlasen, herfahren, Parkplatz finden, Fahrkarten lösen, am Bahnsteig stehen, dass wir – eigentlich hatten wir den 13:16-Zug vorgesehen – jetzt sogar den 12:46-er schaffen. Der Tag heute läuft offenbar ganz anders als gestern.
- Kostenloser Parkplatz vor dem Bahnhof
- Der Zug nach Amsterdam fährt ein.
Welcher Zug ist jetzt unserer? Gleichzeitig rollen im Bahnhof Anna Paulowna nämlich zwei Doppelstockzüge vom Typ VIRM ein. Daher bleibt noch eine kleine Unsicherheit. Da ich den holländischen Fahrplan nicht richtig lesen kann, frag ich einfach einen der Umherstehenden, der nimmt seine True-Wireless-In-Ear-Kopfhörer raus und meint: „Naar Amsterdam? Hier!“ Das versteh sogar ich. Aber dass der Zug auf Gleis 1 abfährt, verstehe ich nicht. Holland hat doch auch Rechtsverkehr, dachte ich.
Trotzdem, der Zug nach Amsterdam fährt in Anna Paulowna von Gleis 1 ab, während der Zug nach Den Helder auf Gleis 2 scheinbar „links an ihm vorbei“ zieht. Für einen kurzen Moment wirkt das wie ein kleines Eisenbahn-Experiment mit Linksverkehr – tatsächlich sind es aber einfach zwei ganz normale Gleise in entgegengesetzter Richtung, die zufällig genau so vorbeilaufen, dass es ungewohnt aussieht. Vielleicht hat man das Amsterdamer Gleis eben einfach zum Bahnhofsgebäude gelegt, weil da mehr Passagiere einsteigen?
Fahrt mit der NS nach Amsterdam
Wir steigen ein und gehen sofort die Treppe hinauf ins Oberdeck. Dort soll man die bessere Aussicht haben und auf besser fotografieren können. Die Sitze sind super bequem und die Beinfreiheit ist geradezu luxuriös. Die großen Fenster lassen viel Licht herein und machen die rund 72 Kilometer lange Fahrt nach Amsterdam zu einer richtigen Panoramafahrt. Allerdings ist das Fotografieren doch sehr beeinträchtigt. Die Scheiben sind katastrophal dreckig. Kurz hinter Anna Paulowna wird mit dem Selbstauslöser noch schnell ein Erinnerungsfoto gemacht, während draußen die nordholländische Landschaft vorbeizieht. Ich probier’s halt mal, trotz der verschmierten Fenster: 15 mm Brennweite, ISO 1600, 1/4000s, Blende 8.
- Zwischen Anna Paulowna und Schagen
- Windrad östlich von Schagen
Zwischen Schagen und Heerhugowaard bestimmen Weiden das Bild. Alles wirkt flach, ruhig und aufgeräumt. Doch dann werde ich abgelenkt: Vor uns sitzt in einer Vierer-Sitzgruppe eine junge Frau, die ununterbrochen mit ihrem Handy beschäftigt ist. Mal werden die Haare gerichtet, mal der Kopf leicht gedreht – was man als „Ach-wie-bin-ich-schön“-Typ halt so macht. Wahrscheinlich macht sie bei der etwas über einstündigen Fahrt nach Amsterdam mehr Selfies als wir auf der ganzen Reise. Plötzlich macht sich Hunger breit. „Willst Du noch eine Banane?“ Susanne ist einfach die Beste. Bei Heerhugowaard fallen weite Felder Ins Auge und in Alkmaar der markante Wasserturm.
- Zwischen Schagen und Heerhugowaard
- Wasserturm von Alkmaar
Am Bahnhof Castricom wartet bereits der nächste gelb-blaue Zug.
- Alkmaar
- Bei Castricum
Danach ziehen wieder grüne Wiesen vorbei. Kurz vor Zaandam entdecke ich ein auffällig grün gestrichenes Haus an einem kleinen Bach – typisch Niederlande.
- Zwischen Castricum und Zaandam
- Zwischen Castricum und Zaandam
Je näher wir Amsterdam kommen, desto dichter wird das Schienennetz. Aus den Wiesen werden Gleisanlagen, aus einzelnen Häusern geschlossene Bebauung. Die letzten Kilometer verlaufen zwischen zahllosen Weichen und Bahnsteigen.
- Bereich um den Bahnhof Amsterdam Sloterdijk
- Zwischen Zaandam und Amsterdam Sloterdijk
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